Merseburg, Ständehaus
Tagungsort des Landtages der preußischen Provinz Sachsen (1876-1933)

In Deutschland blieben Frauen trotz ihres bürgerschaftlichen Engagements bis ins 20. Jahrhundert von der Wahrnehmung politischer Mitspracherechte ausgeschlossen. Erst im Zuge der Novemberrevolution 1918 und der Abschaffung des Dreiklassenwahlrechtes für Männer erhielten Frauen nach jahrzehntelangem Kampf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht.
Mit der Beibehaltung der föderalen Gliederung Deutschlands nach der Verfassung der Weimarer Republik blieben das Land Preußen und seine Provinzialeinteilung bestehen. Das neue Wahlrecht hatte für die Wahlen zu den Provinziallandtagen erst nach Verabschiedung der Verfassung des Freistaates Preußen im November 1920 Gültigkeit und kam erstmals bei den Provinziallandtagswahlen im Frühjahr 1921 zum Tragen.
In der Zeit der Weimarer Republik nahmen mit Hedwig Machlitt (1921-1924) aus Eisleben, Minna Reichert (1921) aus Berlin, Anna Becker (1924-1933) aus Weißenfels, Conkordia Hartmann (1925-1933) aus Magdeburg, Helene Knabe (1925-1933) aus Freyburg/Unstrut, Frieda Lehmann (1925-1929) aus Halle, Marie Röpert (1925-1929) aus Halle, Dr. Malita von Runstedt (1928-1929) aus Schönfeld, Berta Hesse (1928-1933) aus Aschersleben, Anna Schob (1929-1933) aus Erdeborn, Ella Seidel (1929-1932) aus Rasberg, Änne Vehse (1929) aus Piesteritz, Hannah Ackermann (1931-1933) aus Magdeburg und Flora Franken (1931-1933) aus Zeitz insgesamt vierzehn Frauen ein Mandat im Provinziallandtag Sachsen wahr; sechs von ihnen für die KPD, fünf für die SPD, zwei für die DNVP und eine für die DVP. Mit bis zu neun weiblichen Abgeordneten in einer Wahlperiode lag ihre Zahl weit über jener für die Region wahrgenommenen Mandate im Reichs- und Preußischen Landtag wie auch dem Landtag Anhalt. In vergleichbar kurzer Zeit beherrschten die weiblichen Abgeordneten die parlamentarischen Regeln und wussten diese gezielt einzusetzen. Dennoch behinderten ihre Festlegung auf ‚frauengemäße‛ Themen wie auch tradierte konservative Auffassungen zum Geschlechterverhältnis eine umfassende politische Partizipation der Frauen.

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