Industrie- und Filmmuseum
Chemiepark Bitterfeld-Wolfen
Bunsenstraße 4, 06766 Wolfen


Die Filmfabrik Wolfen war 85 Jahre Arbeitsplatz für viele Frauen der Region. Flinke Frauenhände wurden bei der Konfektionierung der Filme und der Herstellung von Chemiefasern benötigt. Mit über 8000 weiblichen Beschäftigten galt die Filmfabrik in den 80er Jahren als größter Frauenbetrieb der DDR.
Bereits mit dem Aufbau des Werkes ab 1909 versuchte die Betriebsleitung mit sozialen Angeboten, wie dem Wöchnerinnenheim oder dem preisgünstigen Verkauf im werkseigenen Kaufhaus, Frauen für die Stammbelegschaft zu gewinnen. Sogar ein Ferienheim in Thüringen stand den Frauen zur Erholung zur Verfügung.
Diese sozialen Angebote erfuhren nach 1945 eine kontinuierliche Erweiterung - so z.B. durch die Nutzung der betriebseigenen Wäscherei, des Bestellservices für Waren des täglichen Bedarfs oder durch zahlreiche Kinderkrippen- und Kindergartenplätze, auch mit dem "Muttibus", Kuren oder der werkseigenen Schneiderei. In speziellen Klassen der Betriebsakademie qualifizierten sich Frauen zu Facharbeiterinnen, Meisterinnen und Ingenieurinnen. Frauen nahmen als Generaldirektorin, Sozialdirektorin und Personaldirektorin Verantwortung im Werk wahr. Auch wenn dies emanzipatorischen Ansprüchen der Gesellschaft entsprach, konnte von einer wirklichen Gleichberechtigung der Frauen nicht die Rede sein. Über Jahrhunderte tradierte Frauenrollen wurden dadurch nicht aufgebrochen. Heute kündet nur noch das Denkmal "Chemiearbeiterin" vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von der Bedeutung des einst größten Frauenbetriebes der DDR.

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