„Fremde Frauen in Wolfen …“  – Schülerprojekt zum Thema Zwangsarbeit stellt Ergebnisse im Filmmuseum Wolfen vor                                                                                                                   (06.10.2010)

„Fremde Frauen in Wolfen  –  eine Spurensuche“
            (Schülerprojekt 2010)
[vorhandener Link auf die Seite des Heinrich-Heine-Gymnasiums bringt keinen Hinweis mehr auf das Projekt, eigentlich schade; aber er dokumentiert das Engagement als Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage – wäre also zu überlegen, ob er aufrecht erhalten bleibt? ]

FrauenOrte erzählen Geschichten. Geschichten von Frauen, die im Gebiet von Sachsen-Anhalt gelebt und gewirkt haben. 50 FrauenOrte gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt. Die Geschichte dieser Frauen spannt einen Bogen von über 1.000 Jahren. Sie wollen an Vergessenes erinnern und auch zur kritischen Auseinandersetzung mit Klischees über Frauen- und Männerrollen, Weiblichkeit und Männlichkeit herausfordern.
In Wolfen steht das Industrie- und Filmmuseum stellvertretend für die Filmfabrik Wolfen, die 85 Jahre Arbeitsplatz vieler Frauen in der Region war. Mit über 8.000 weiblichen Beschäftigten galt die Filmfabrik in den 1980ern als größter Frauenbetrieb der DDR. Jedoch gibt es auch ein anderes Kapitel in dieser Geschichte…
2010 widmete sich das Projekt „FrauenOrt Wolfen - Zeitgeschichte erforschen-bewahren-vermitteln“ des „Frauen helfen Frauen“ e.V. diesem Thema der Regionalgeschichte. Schüler(inne)n des Heinrich-Heine-Gymnasiums begaben sich auf eine Spurensuche - begleitet von Historikern, Archivmitarbeitern und Heimatforschern. Ihre Ergebnisse dokumentieren sie in einer Ausstellung. Die Quellen waren dürftig und sind europaweit verstreut. Gleich einem unvollständigen Puzzle zeigt die Ausstellung Fragmente aus dem Leben der Frauen, die hier für die deutsche Kriegsproduktion arbeiten mussten.
Anfang des Zweiten Weltkrieges wurde die Filmfabrik Wolfen als Unternehmen der IG Farben AG ein wichtiger Bestandteil der deutschen Rüstungsindustrie. Im März 1943 begannen Verhandlungen der Firmenleitung mit Vertretern der SS, die zum Einsatz politischer Häftlinge aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück führten.
Untergebracht waren die Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück auf dem heutigen Gelände eines Baumarkts in der Thalheimer Straße. Die Unterkünfte unterschieden sich durch besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen von den Lagern der Fremd- und Zwangsarbeiter(innen). („Innerhalb des Zaunes ist ein elektrisch geladener Stacheldrahtzaun gemäß übergebener Zeichnung aufzustellen (Spannung 380 Volt). (…)“ (Auszug aus einer Aktennotiz der Filmfabrik, 05. April 1943).
Um den Kontakt zu den anderen Arbeitern und Arbeiterinnen zu unterbinden, arbeiteten die Frauen in separaten, komplett abgeschlossenen Räumen in zwei Schichten von jeweils 12 Stunden. Widerstand durch Sabotage, Bummelei oder versuchte Flucht wurde hart bestraft.
Am 1. September 1944 wurde das zu Ravensbrück gehörende Außenkommando Wolfen dem KZ Buchenwald als dem am nächsten liegenden Konzentrationslager unterstellt.
Am 16.09.1944 waren im Außenkommando Wolfen 425 weibliche Häftlinge registriert. Das Durchschnittsalter lag bei 25 Jahren, die Älteste war 58, die Jüngste gerade erst 16 Jahre alt. Sie kamen vorwiegend aus Russland und Polen. Mindestens 9% der Häftlinge waren Jüdinnen.
Noch heute erinnern in Bitterfeld-Wolfen und Umgebung verschiedene Gedenksteine an die Toten, die das menschenunwürdige Regime der Nationalsozialisten verschuldet hat.
Diese Ausstellung soll an die Menschen erinnern, die vor über einem halben Jahrhundert fern ihrer Heimat gezwungen wurden, für ein System zu arbeiten, das ihre Heimat unterwarf, sie zerstörte und diese Völker als „Untermenschen“ betrachtete.

Pressemitteilung, Artikel MZ 4.10.2010; Artikel 8.10.2010;


Diese Ausstellung wandert seit Februar 2013 in Bitterfeld-Wolfen. Informationen und Anfragen über Frauen helfen Frauen e.V.  Wolfen.