Wanderausstellung
SchattenRisse. Frauenleben zwischen Altmark und Unstruttal

 

„Die Frauen sind lange im Schatten der Geschichte gelassen worden. Der Aufstieg der Anthropologie und die zunehmende Bedeutung, die der Familie zugemessen wurde, haben ebenso wie die Geschichte der ‚Mentalitäten’, die dem täglichen Leben, dem Privaten und dem Individuellen eine größere Aufmerksamkeit schenkte, dazu beigetragen, sie aus dem Schatten herauszuholen ...“ (Georges Duby/ Michelle Perrot, Geschichte der Frauen, Band 2, Paris 1993, S. 9.)
Ein Prozess der auch in Sachsen-Anhalt zu spüren ist. Von dem auf Anregung der Sachsen-Anhalt-Frauen-Initiativ-Runde (SAFIR) im Jahr 2000 entstandenen Projekt „FrauenOrte – Frauengeschichte in Sachsen-Anhalt“ gingen hierzu wichtige Impulse aus. Es entstand seitdem ein Netz von mehr als 30 mit einer Tafel gekennzeichneten FrauenOrten in der Region, die nunmehr auch über die Wanderausstellung SchattenRisse. Frauenleben zwischen Altmark und Unstruttal thematisch vernetzt werden. Frauengeschichte als Teil von Landesgeschichte begreifend, spannt die aus 30 thematischen Tafeln bestehende Ausstellung einen zeitlichen Bogen von eintausend Jahren. Sie möchte zu einer Zeitreise einladen, die Lebenswelten von Frauen ebenso sichtbar werden lassen wie deren Wirken, Erfahrungen und Visionen.
Auf dieser Zeitreise begegnen wir Königinnen und Kaiserinnen wie Mathilde, Adelheid und Theophanu, erfahren beispielhaft Einiges über weibliches Leben in Stiften, Klöstern aber auch in Dörfern und Städten. Obwohl Frauen über große Zeiträume Bildungsmöglichkeiten verschlossen schienen, treten einige wie die erste deutsche Ärztin Dorothea Christiana Erxleben, die Altphilologin Ernestine Christine Reiske, die Philosophin und gekrönte Poetin Johanne Charlotte Unzer, die Musikerinnen Maria Barbara Bach und Anna Magdalena Wilcke oder die Theaterprinzipalin Caroline Neuber und andere mit herausragenden Leistungen hervor. Ein Prozess, der langfristig den Weg in Universitäten, Hochschulen und auch in Parlamente für Frauen öffnet. Auf dem langen Weg zur Mündigkeit begegnen wir Frauen wie Marie und Johanne Nathusius, Marianne Menzzer, Angelika Hartmann, Elisabeth Gnauck-Kühne, Hildegard Ziegler, Margarethe Bennewiz, Minna Bollmann, Marie Kettmann und Gertrud Schubart-Fikentscher.
Frauen sind nicht erst seit der Moderne am Reproduktionsprozess beteiligt. Sie haben sich mit ihrer Arbeit und ihrem Wirken im Alltag aktiv und auch direkt in die Geschichte eingebracht, ihre Spuren hinterlassen. Spuren, die kaum erkennbar und sich zum Teil im Dunkel verlieren; aber auch solche, die sich klar abheben und im öffentlichen Bewusstsein präsent sind. Eine Präsenz, die über einen Schattenriss hinaus deutliche Bilder einzelner Frauen und von Frauengruppen reproduziert.
Den weiblichen Anteil an unserer Geschichte wahrzunehmen ist ein Anspruch, dem sich die Ausstellung stellt. Sie versteht sich zugleich als Forum für eine geschlechtergerechtere Gesellschaft. „Nicht gegen die Männer können wir uns emanzipieren, sondern nur in Auseinandersetzung mit ihnen. Geht es uns doch um die Loslösung von den alten Geschlechterrollen, um die menschliche Emanzipation überhaupt.“ (Maxie Wander, Guten Morgen, du Schöne, 1980, S. 7.)
Die Wanderausstellung „SchattenRisse. Frauenleben zwischen Altmark und Unstruttal“ wurde am 14. Dezember 2005 im Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie ist, gefördert durch das Kultusministerium des Landes, im Rahmen eines Forschungsprojektes unter Leitung von Frau Prof. Dr. Eva Labouvie am Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entstanden. Die Historikerin Dr. Elke Stolze hat die Ausstellung konzipiert und inhaltlich umgesetzt. Hierbei wurde sie durch die Historikerin Dr. Monika Lücke (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) für den Themenkomplex Frauenleben im Mittelalter bis zur Reformation unterstützt. Die Grafikerin Barbara Dimanski (Halle) setzte das Ausstellungskonzept graphisch um. Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. hat freundlicherweise die Schirmherrschaft übernommen.
Technische Daten:     
30 lfd. Meter: 30 Ausstellungselemente mit eigenem Ausstellungssystem
1 Ausstellungselement (Ständer mit Stoffbahn), Maße B x H: 100 cm x 200 cm
stehend und auch für ein Galeriesystem nutzbar
Verpackung: 3 Transportkisten (Holz, Maße H x B x T: ca. 40 cm x 70 cm x 140 cm) und jedes Element in einer Verpackungshülse

Informationen und Anfragen:

Informationen und Anfragen richten Sie bitte an den Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit (16.-19. Jahrhundert) / Geschlechterforschung im Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Adresse: Zschokkestr. 32, 39104 Magdeburg)

 

Fotoimpressionen - alle 3 Bilder zeigen die Ausstellung im Lesecafe der Stadtbibliothek Magdeburg


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