Leuna - Werke

Die Entwicklung der chemischen Industrie prägt seit 1916 entscheidend die Geschichte der Region und der hier lebenden Menschen. Mit dem Bau des Ammoniakwerkes Merseburg setzte ein weitreichender Prozeß der Entwicklung einer neuen sozial-kulturellen Infrastruktur in der Region ein, der zugleich die Herausbildung einer Stammbelegschaft beförderte. Die Unternehmensphilosophie der IG Farben bezog über den Ausbau sozialer Bereiche im Werk und in der Stadt die Familien in ihrer Gesamtheit ein. In Zeiten des Krieges galten Frauen als bevorzugte Arbeitskräfte in Bereichen, die üblicherweise nur durch Männer besetzt wurden. Der Ausbau sozialer Strukturen nach dem I. Weltkrieg führte im Werk zur Entstehung neuer Erwerbsbereiche für Frauen mit Tätigkeiten, die bisher zu den häuslichen bzw. familiären Aufgaben von Frauen gehörten. Außerhalb dieser frauentypischen Berufsfelder blieb bis zum Ende des II. Weltkrieges der Anteil weiblicher Beschäftigter gering. Zu diesem Zeitpunkt lag der Anteil der Frauen an den Beschäftigten im Werk bei acht Prozent. Er erhöhte sich bis 1953 auf zwanzig Prozent und erreichte mit 41 Prozent 1979 seinen höchsten Stand. Diese Entwicklung war sowohl dem hohen Arbeitskräftebedarf geschuldet als auch dem Gleichberechtigungsansatz der DDR-Frauenpolitik, in der die ökonomische Selbständigkeit der Frauen einen hohen Stellenwert einnahm. Dieser Ansatz schloß die Ausweitung der Frauenbeschäftigung ebenso ein, wie gleiche Entlohnung und fachliche Qualifikation der Frauen. Obwohl zunehmend erweiterte soziale Rahmenbedingungen Frauen in der DDR Berufstätigkeit und Karriere erleichterten, wurde das tradierte Rollenverständnis von Frau und Mann nicht aufgebrochen. Im Zusammenhang mit der Umstrukturierung des Werkes nach der Wende 1989/90 kam es zu einem überproportionalen Abbau von Frauenarbeitsplätzen.

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