Ernestine Christine Reiske, geb. Müller
(2. April 1735–27. Juli 1798)
Altphilologin

Kemberg

 

Ernestine Christine wurde als jüngste der sechs Töchter und vier Söhne des Kemberger Superintendenten Dr. August Müller und seiner Ehefrau Eleonore Christine am 2. April 1735 in Kemberg geboren.
Von ihrer Mutter wie auch ihrem ältesten Bruder Gottlieb unterrichtet, erhielt die interessierte junge Frau 1755 Zugang zur »Gesellschaft der freyen Künste und Wissenschaften« in Leipzig, wo sie neben Johann Christoph Gottsched auch ihren späteren Ehemann, den Rektor der Nikolaischule Prof. Dr. Johann Jacob Reiske (1716–1774), kennenlernte. Nach dem Tod ihres Vaters und der Heirat ihres Bruders trug Ernestine Christine zum Lebensunterhalt für sich und ihre Mutter bei.
Fast dreißigjährig heiratete sie 1764 den viel älteren Reiske. Von ihm zunächst in Griechisch und Latein unterrichtet, wurde sie bald zur kompetenten Mitarbeiterin des Orientalisten. Sie war an allen wissenschaftlichen Ausgaben beteiligt, die ihr Mann noch herausgab oder die – weitgehend durch ihn vorbereitet – von anderen Philologen nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Reiske würdigte ihre Beteiligung und machte Ernestine Reiske als gelehrte Frau bekannt.
Dem Wunsch ihres Mannes entsprechend übergab Ernestine Reiske dessen Nachlass dem Dichter Lessing. Als Verlegerin kümmerte sie sich erfolgreich um seine bereits erschienenen Werke und publizierte seine Autobiografie. Außerdem legte sie eigene Übersetzungen aus dem Griechischen vor und veröffentlichte als einzige Frau 1785 vier Beiträge für das »Magazin zur Erfahrungsseelenkunde«. Die Witwe pachtete ein Landgut in der Nähe von Braunschweig, das sie geschickt und erfolgreich führte, bis sie 1789 wieder in ihre Geburtsstadt zurückkehrte. Nach einem arbeitsamen, selbstständigen und erfolgreichen Leben verstarb die Altphilologin Ernestine Christine Reiske hochgeachtet am 27. Juli 1798 in Kemberg.

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