Unterburg Giebichenstein
Halle (Saale)

Die Unterburg Giebichenstein beherbergt seit 1921/22 die damalige Kunstgewerbeschule mit ihren Werkstätten der Stadt Halle und ist heute das Domizil des Fachbereichs Kunst der Hochschule für Kunst und Design. 1915 hatte der Münchner Architekt Paul Thiersch die hallesche Handwerkerschule übernommen und sie in der Folgezeit zu einer dem Werkstättenprinzip verpflichteten modernen Kunstgewerbeschule reformiert, die neben dem Bauhaus zu den bedeutendsten Bildungsstätten gehörte. Handwerkstradition und sachliche Gestaltung prägten im Sinne des deutschen Werkbundes das Profil der Schule, an der ab 1925 auch mehrere Bauhäusler tätig waren, so beispielsweise die Töpferin Marguerite Friedlaender. In der Zeit des Nationalsozialismus wieder auf den Status einer Handwerkerschule zurückgeführt, gelang nach 1945 die Wiedereröffnung der Klassen für Architektur und bildende Kunst. Als Hochschule für industrielle Formgestaltung wurde die "Burg" ab 1958 zum wichtigsten Ausbildungszentrum für DesignerInnen und KunsthandwerkerInnen der DDR. Heute bietet die Schule ein vielfältiges Spektrum an Studienmöglichkeiten in Kunst und Design an. Die tradierte weibliche Rollenzuweisung wurde an der "Burg" frühzeitig aufgebrochen. Bereits in den zwanziger Jahren oblag die künstlerische Leitung im Textil und Email, zeitweise auch in der Keramik, im Bucheinband und -druck Frauen - eine Konstellation, die für das Bauhaus undenkbar gewesen wäre. Heute ist der Anteil von weiblichen und männlichen Lehrenden im Fachbereich Kunst annähernd gleich, nur im Design sind die Frauen noch zahlenmäßig unterlegen.

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