Gabriele Reuter
(1859 - 1941)

Haldensleben

 

 

Gabriele Reuter kam am 8. Februar 1859 in Alexandria in Ägypten zur Welt, wo ihr Vater Karl Reuter als Kaufmann und Konsul wirkte. Ihre Mutter Johanne, geborene Behmer, war eine Schwester der Ehefrau des Althaldensleber Klostergutbesitzers Heinrich von Nathusius. Als sich Reuters 1872 bei ihren Verwandten in Althaldensleben aufhielten, starb Karl Reuter unerwartet und ließ seine Frau mit 5 Kindern in unsicheren Verhältnissen zurück. Johanne Reuter blieb in Neuhaldensleben, mietete zunächst eine bescheidene Wohnung bei dem Kaufmann Prömmel, Markt 21, zog aber bereits 1874 in eine größere Wohnung in dem direkt an der Ohre gelegenen Haus Burgwall 5 des Landwirts Heinrich um, bis sie 1879 mit ihrer Familie nach Weimar übersiedelte. In Neuhaldensleben unterstützte Gabriele ab ihrem 14. Lebensjahr ihre Mutter tatkräftig bei der Erziehung der vier jüngeren Brüder und entwickelte sich Vom Kinde zum Menschen. Diesen Titel gab die inzwischen in München und Berlin zu einer bekannten Schriftstellerin profilierte Gabriele Reuter einem 1921 erschienenen Buch, worin sie die Geschichte ihrer Jugend schildert und auch ein lebendiges Bild von Alt- und Neuhaldensleben der 1870er Jahre zeichnet.
Die Geschichte ihrer Familie und der Familie Nathusius griff sie dann nochmals in dem 1938 erschienenen Roman Grüne Ranken um alte Bilder auf. Abgesehen von diesem heimatkundlichen Randgebiet stellte Gabriele Reuter in ihrem literarischen Werk immer wieder die Schwächen bloß, an denen die Mädchenerziehung im 19. Jahrhundert litt. Hierdurch förderte sie die damals aufkeimende Frauenbewegung nachhaltig ohne sich von ihr vereinnahmen zu lassen. Thomas Mann bezeichnete sie als die souveränste Schriftstellerin ihrer Zeit. Gabriele Reuter blieb unverheiratet und starb am 16. November 1941 hoch betagt in Weimar.

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