Landesbehördenhaus 1
Sitz des Anhaltischen Landtages
(1875-1933)

Die Gedenktafel steht in der
Fritz-Hesse-Straße Höhe
Einmündung Friedrichstraße

 

Im Zuge der Novemberrevolution wurde 1918 das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt - ein Recht, das die Frauen in Deutschland seit 1848 forderten. Im Freistaat Anhalt durften die Frauen erstmals am 15. Dezember 1918 wählen. Aber erst ein Jahr später zog die erste Frau als Nachrückerin in den Landtag ein. Während der Weimarer Republik gab es dort nur vier weibliche Abgeordnete: Marie Kettmann (1919-1924), Antonie Buchheim (1924), Emilie Henze (1924), Frieda Fiedler (1924-1932). Nur Frieda Fiedler war ein längeres parlamentarisches Wirken möglich, allerdings musste auch sie sich - wie ihre Kolleginnen - auf den als frauengemäß geltenden Bereich der Sozialpolitik beschränken. Auch im Preußischen Landtag und im Reichstag waren Frauen aus Sachsen-Anhalt von 1919 bis 1933 nicht stärker vertreten. Obwohl die Frauen in der Weimarer Verfassung formell gleichgestellt waren, fehlte es in einer männlich dominierten Politik an der Bereitschaft, die Macht mit den Frauen zu teilen. Im Jahr 1933 wurde durch die NS-Diktatur den Frauen das passive Wahlrecht wieder entzogen. Bei den Kommunalwahlen im Herbst 1946, den ersten Wahlen in Sachsen-Anhalt nach dem Krieg, kandidierten Frauenlisten, denen jedoch der Erfolg versagt blieb. Bei der anschließenden Landtagswahl überschritten Frauen mit einem Anteil von 16,5 Prozent der Mandate erstmals seit 1918 die 10-Prozent-Marke. Der Verdoppelung des Frauenanteils auf 30 Prozent bei den zweiten Landtagswahlen 1950 stand der Bedeutungsverlust der Parlamente im politischen Machtgefüge der DDR gegenüber. Die in der SED bereits 1946 eingeführte Drittel-Quotierung für Frauen auf den Wahllisten diente ebenso wie das Novum, dass 1950 erstmals eine Frauenorganisation (Demokratischer Frauenbund) Parlamentsmandate erhielt, in erster Linie der Integration der Frauen in das politische System der DDR. Auf Abgeordnete mit abweichender politischer Meinung reagierte die SED mit Repressalien.


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