Aufsätze

DamenWahl und MännerMacht !?! – Tagung am 8. März 2008 im Schlossgartensalon Merseburg

Vor nunmehr 90 Jahren wurde endlich auch für Frauen in Deutschland das Wahlrecht eingeführt. Grund genug für  DIE LINKE. Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, den Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V., den FrauenOrte Sachsen-Anhalt e.V., die ROSA LUXEMBURG STIFTUNG Sachsen-Anhalt und die Fraktion im Stadtrat Merseburg DIE LINKE/Bündnisgrüne anlässlich des 97. Internationalen Frauentages am 8. März 2008 im Schlossgartensalon in Merseburg die Tagung DamenWahl und MännerMacht !?! durchzuführen.
Im November 1918  begann ein neues Kapitel politischer Partizipation in der deutschen Geschichte. Inzwischen ist das hart erkämpfte staatsbürgerliche Recht eine Selbstverständlichkeit und prägt unser Demokratieverständnis. Frauen mischen sich ein, sind an Macht beteiligt, gestalten Machtverhältnisse und damit auch Geschlechterverhältnisse. Viel ist erreicht. Oder schon alles? Verhindern neue Abhängigkeiten eine wirkliche Machtteilung zwischen den Geschlechtern? Diese und weitere Fragen wurden in den Hauptbeiträgen der Veranstaltung aufgegriffen.
Dr. Gisela Notz (Berlin) erinnerte daran, dass im Frühjahr 1907 erstmals 19 Frauen - unter ihnen engagierte Aktivistinnen der Arbeiterfrauenbewegung - in das finnische Parlament einzogen. In Deutschland war es ein weiter Weg, bis das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht durchgesetzt war. In ihrem Beitrag „Her mit dem Frauenwahlrecht!“ zeichnet Gisela Notz diesen Weg nach. [Mehr …]

Bezogen auf die Region Sachsen-Anhalt interessierte sich Dr. Elke Stolze (Halle) für die Parlamentarierinnen der „ersten Stunde“. „Die ersten FrauenStimmen aus der Region Sachsen-Anhalt in Parlamenten der Weimarer Republik“ vor. Woher kamen sie? Wer waren diese Frauen? Wofür stritten sie? – sind Fragen, denen in diesem Beitrag nachgespürt wurde. Dabei stellte die Referentin einige weibliche „Herren Abgeordnete“ vor. Auch wenn diese Bezeichnung heute irritierend wirkt, damals vor neunzig Jahren brauchte es einige Zeit, bevor auch der Form nach in der parlamentarischen Anrede die Anwesenheit von Frauen erkennbar war. [ Mehr …]

Mit ihren Beiträgen spannten  Dr. Ursula Schröter und Christian Schenk (beide Berlin) den Bogen in die Gegenwart und gingen der Frage „10 Jahre Gender und nun?“ nach. In ihrem Beitrag lenkte Ursula Schröter die Aufmerksamkeit auf „Die verschiedenen Leben von Gender Mainstreaming“ und hob hervor, dass bei diesem Thema statt Kontinuität im Sinne einer dem gesellschaftlichen Fortschritt zustrebenden Entwicklung vielmehr Brüche, Widersprüche und in letzter Zeit ziemlich viel Bewegung zu beobachten sei. [Mehr … ]

Ausgehend von einer kurzen Bilanz der Geschlechterverhältnisse in der DDR und in der Alt-BRD rief Christian Schenk in seinem Beitrag „Gender – und nun? Fragen, Einwürfe und mögliche Auswege“ die Ursprünge und Inhalte des Gender Mainstreaming-Ansatzes in Erinnerung nicht ohne zugleich den Unterschied zur Frauenförderung heraus zu arbeiten. Er verdeutlichte die Komplexität des Prozesses ebenso wie deren Wirkungen für Frauen und Männer gleichermaßen. [Mehr …]

Mit der Veröffentlichung der vier Hauptbeiträge wird dem wiederholten Wunsch von TeilnehmerInnen entsprochen; ein Tagungsprotokoll ist nicht vorgesehen.



Elke Stolze: „... Die nichts, als Bildung  mänlich’s  haben“ – Zur Geschichte des Frauenstudiums an der Universität Halle, Konferenzbeitrag Halle 2004

Am 6. Mai 1754 unterzog sich die Quedlinburger Arzttochter Dorothea Christiana Erxleben dem medizinische Doktorexamen durch die Prüfungskommission der Universität Halle. Ein unerhörtes, ja nahezu unfassbares Ereignis in dessen Ergebnis sie am 12.Juni 1754 als erste deutsche Ärztin durch die Universität Halle promoviert wird. Ein Ereignis, an dem sie persönlich teilnahm, anders als dreiunddreißig Jahre später Dorothea Schlözer in Göttingen. Frau Erxleben erbrachte den persönlichen Beweis, dass die Fähigkeit zu studieren keine Frage des Geschlechtes sei. Sie überwand gesellschaftlich gesetzte Grenzen mit ihrem Schritt in die männliche Welt der Wissenschaft, um sich deren Anfeindungen und Konkurrenzgebärden erwehren zu können. 
Dorothea Erxleben blieb nahezu 150 Jahre die einzige Frau, der die Universität Halle zu dieser Würde ver­half. Ein Ereignis, das der Universität selbst zum Ruhme gereicht - auch oder gerade weil die Divergenz zwischen herrschender Weiblichkeitsideologie und universitärem Bildungskonzept im 18. Jahrhundert weiter zunahm. Eine Ausgrenzung, die im 19. Jahrhundert von Frauen neu durchbrochen werden musste. Die Auseinandersetzungen um das Frauenstudium in Deutschland spitzten sich in den 1890er Jahren zu. Damals bedurfte es einer ministeriellen Genehmigung und des Einverständnisses der be­troffenen Dozenten, um als Gasthörerin zu Vorlesungen der Universität zugelassen zu werden. 
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Monika Lücke: Jutta von Sangerhausen, Halle 2003

Jutta von Sangerhausen lebte wie Elisabeth von Thüringen und Mechthild von Magdeburg im 13. Jahrhundert - eine Zeit vielfältiger sozialer Spannungen und religiöser Aufbrüche. Über ihr Leben ist nur wenig bekannt. Viele Legenden entstanden nach ihrem Tod und schmücken bis heute ihre Biografie.  Mehr ….

Seit Sommer 2003 tragen eine Rose des Europa-Rosariums Sangerhausen und der Platz vor der Ulrichskirche in Sangerhausen ihren Namen und halten die Erinnerung an dieses Frauenleben im Mittelalter wach. Auch wenn  sich Interessierte  nicht mehr im Jutta-von-Sangerhausen  Zentrum (es bestand seit Mai 2006 für einige Zeit in der Nähe der Ulrichskirche) informieren können, so finden Sie Informationen und Ansprechpartner auf der Seite des Jutta-von Sangerhausen e.V.  http://www.jutta-von-sangerhausen-ev.de