Aschersleben

Bestehornpark


Die Papierverarbeitungsindustrie entstand seit Mitte des 19. Jahrhunderts als einer der wichtigen Erwerbszweige in Aschersleben. So entwickelte sich die 1861 gegründete Firma Bestehorn zu einem der führenden Betriebe dieser Branche in Europa. Sie stellte Verpackungsmaterial aber auch Formulare, Kuverts, Feldpostbriefe, Klarscheiben für optische Geräte und vieles mehr zunächst vor allem in Heimarbeit und später auch in der Fabrik her. Vor allem Mädchen und Frauen aber auch Kinder und Alte klebten Tüten in Heimarbeit für wenig Lohn und besserten damit das Familienbudget auf. Das Ausgangsmaterial wie die fertigen Tüten wurden in Kiepen, bei kleineren Abmessungen und Mengen auch kaum erkennbar in Einkaufstaschen transportiert.
Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte das Unternehmen Fremdarbeiter sowie französische und russische Kriegsgefangene. Frauen aus Griechenland, der Sowjetunion und Österreich mussten hier Zwangsarbeit leisten – darunter ab Ende 1940 mindestens 70 Jüdinnen aus Wien. Sie waren im eigens eingerichteten Werkheim im „Drei-Bogen-Tor“ über den Tordurchfahrten untergebracht. Bewacht von einer Lagerleiterin führte ihr täglicher Arbeitsweg von hier durchs Hintertor direkt in die Fabrik zur Akkordarbeit. Selten begegnete den Frauen Freundlichkeit. Für die meisten von ihnen war es die letzte Station vor ihrer Deportation und Ermordung in einem der Vernichtungslager.

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